Bis zum Ende der 1990er Jahre war Radionik ein Verfahren (deren Verwandte Bioresonanz und Orgon in den 1980ern und 1990ern sehr beliebt waren), das eher einigen wenigen gesundheitlich spezialisierten Behandlern vorbehalten war.

 

Als dann um die Jahrtausendwende die Stochastik-Verfahren (Zufallsdiagnostik mit oder ohne "Rauschdiode") und andere automatisierte Scan-Verfahren im Rahmen der Radionik ("Quanten-Medizin") aufkamen - und sogar Interpretationstexte ausgedruckt wurden - traten zwei Dinge auf:
1. Es druckten nun auch Menschen, die eigentlich keine oder nur wenig Ahnung vom komplexen Gesundheitssystem eines Menschen haben, Bewertungen für andere aus - Bewertungen, die sie selbst kaum auf Schlüssigkeit überprüfen konnten. - Ähnlich wie astrologische Gutachten von Menschen, die nicht die geringste "Peilung" von Astrologie haben, via Software ausgedruckt werden (viele derartige "Diagnose-Ausdrucke" erinnern auch eher an entkernte Computer-Ergebnisse der Gesundheitshoroskope der 1980er Jahre) .
2. Es wurden dann häufig die automatisch erhaltenen Hinweise höher bewertet als der persönliche "Augenschein", den es oft gar nicht mehr gab (Ferndiagnosen konnten sogar via Ebay ab 1 Euro ersteigert werden, was für den Wert der Radionik an sich nicht gerade förderlich ist, sondern eher die Not des Analysen-Verkäufers zeigt).
Außerdem: Diese Form der Diagnostik/Analytik sollte jedoch immer nur als "zusätzlicher Hinweis" gelten, da gerade wir Naturheilkundler nicht der Automatik irgend eines Geräts mehr Glauben schenken sollten als dem Patienten/Klienten und seinen Aussagen (was Naturheilkundler ja eigentlich häufig der "etablierten Medizin" vorwerfen).

 

Es enstanden immer mehr Radionikgeräte-Hersteller weltweit, hardware- und softwarebasiert. Und diese stritten in "guter alter Manier" um die immer schmaler werdenden Scheibchen des "Radionik-Kuchens" - auch mit teilweise recht unfairen Mitteln. Nichts Neues: Das ist eine (leider) menschliche Reaktion, wenn Konkurrenz zu stark wird; wir kennen diese Streitsituationen zwischen Herstellern auch noch aus den Bioresonanz- und Orgonzeiten der 1980er und 1990er.
Das Fatale bei derartig subtilen Verfahren ist, dass jede (nicht nur vorsätzliche) Falschaussage eines Herstellers über den Mitbewerber oder das Produkt des Mitbewerbers auf sich selbst und auf das eigene System zurückfällt.

 

Im Moment - an der Wende zum nächsten Jahrzehnt - scheint eine Katalyse in Sachen Radionik stattzufinden: Etablierte Radionik- und Bioresonanz-Firmen (zu denen sich der Privatverlag nicht rechnet) splitten sich infolge ideologischer bzw. ökonomischer Differenzen, werden wie Sauerbier zum Verkauf angeboten, Hochglanzwerbekampagnen verschwinden... - Und der Trend geht langsam wieder hin zur ursprünglichen handwerklichen Radionik der Spezialisten, bei der eine sensitive Test- oder Diagnosemethode* genutzt wird, was auf jeden Fall zu mehr "gefühlter Eigenverantwortlichkeit" beim Therapeuten führt - und eben dieses Gefühl setzt sich beim Patienten/Klienten fort, was eine weitere gute Voraussetzung zur Wiederherstellung des Zustandes ist.

 

Mit wissenschaftlichem Vokabular (z. B. "Quanten-Medizin", "Lichtquanten", "Welle-Teilchen-Dualismus") werden auch Spezialisten überzeugt ("Lichtquanten" = "Photonen") - und wenn dann noch das Reizwort "Radionik" weggelassen wird, dann ist das eine "neue Medizin", für die dann eben auch "neue Preishorizonte" definiert werden - wie auch sonst oft üblich in der Industrie ("kleine (stoffliche) Veränderungen + tolle neue Begleittexte = alter Preis hoch 2").
Womit man aber eigentlich nur Laien beeindrucken kann (ich werde aber auch gelegentlich von Fachleuten danach gefragt): Dass Geräte und sonstige Artikel aus den Bereichen Radionik und Bioresonanz sich mit einer Pharma-Zentralnummer oder einer Zertifizierung nach dem Medizinproduktegesetz schmücken, sagt nichts über Wirksamkeit oder "schulmedizinische Anerkennung" aus, sondern im ersten Fall nur, dass das Produkt über Apotheken beziehbar ist, und im zweiten Fall, dass man keinen elektrischen Schlag bekommt oder sonstiges, was der Gesundheit abträglich ist usw. - und dass das Gerät eine Einstufung nach dem Medizinprodukte-Gesetz (MPG, vormals MedGV) nach Bauartprüfung erhält, weil "vom Hersteller zur Anwendung beim Menschen ... bestimmt" (oft durch TÜV-Rheinland, einer der sog. "Benannten Stellen"; sh. auch ZLG).

 

Radionik und Bioresonanztherapie sind nicht allgemein anerkannt - und das ist gut so! - Man stelle sich vor, die Verfahren wären allgemein anerkannt und würden von den Kassen übernommen - und der Behandler bekäme für einen Aufwand von einer Stunde nur den Betrag für 5 oder 10 Minuten erstattet. Es würde "gehudelt" werden "müssen", um zu überleben. - Das wäre das Ende dieser freien Verfahren - wie es bereits in den 1980ern mit der Magnetfeldtherapie in Arztpraxen ähnlich geschah!

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*) Aktive und passive Methoden wie EAP, D-Methode, Pulstest, Kinesiologie, Tensor, Pendel usw.